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Ehemalige Institutsleitende

Prof. em. Dieter Strauch

Nachruf

Prof. Dr. Dieter Strauch (29. Oktober 1933 – 12. September 2026) 

Das Institut trauert um Prof. Dr. Dieter Strauch, der mit dem Institut seit seinem Umbau im Jahr 2003 als immer mitdenkender und im Institut arbeitender Emeritus eng verbunden war. 

Strauch wurde in Brandenburg an der Havel geboren. Nach dem dortigen Abitur studierte er in Köln Rechtswissenschaften und promovierte 1959 bei Ernst von Hippel zu dem Thema „Recht, Gesetz und Staat bei Friedrich Carl von Savigny“. Das Thema war eigentlich eine totale Überforderung für einen Doktoranden, aber Strauch gelang es vor allem, durch die Nutzung unbekannter Archivalien ganz neue Facetten zu erschließen. Die schon damals auffallende eindringliche Quelleninterpretation ist der Hautgrund dafür, dass die Arbeit, die 1962 eine sehr seltene 2. Aufl. erlebte, trotz einer seit dieser Zeit geradezu explodierten Savigny-Forschung noch immer Erwähnung findet. Mit der Historischen Rechtsschule war ein erstes Lebensthema gefunden, dem er in späteren Jahren noch weitere Abhandlungen und Quelleneditionen widmete. 

Nach seiner Dissertation wechselte er zu Bernhard Rehfeldt, der bereits Zweitgutachter seiner Dissertation gewesen war. Der charismatische Rehfeldt machte aus Strauch einen der besten Kenner der älteren nordischen, insbesondere schwedischen Rechtsgeschichte. 1971 legte er bereits eine Übersetzung des altschwedischen Ostgötenrechts vor, die bereits zeigte, dass er sich tief in die mittelalterliche Sprachenwelt Skandinaviens eingearbeitet hatte. Die vielen nun folgenden Studien auf diesem Forschungsfeld fanden ihre Krönung in der großen Synthese „Mittelalterliches nordisches Recht bis 1500“, dessen beeindruckender Umfang von 886 Seiten im Jahr 2011 in der „völlig neubearbeiteten und erweiterten“ 2. Aufl. 2016 nochmals auf 912 Seiten anwuchs. Für dieses epochale Werk wurde Strauch mit dem hochangesehenen Preis des „Torsten-Janckes-Gedächtnisfonds“ durch die Kungliga Gustav Adolfs Akademien för svensk folkkultur in Uppsala ausgezeichnet. Bis zuletzt blieb Strauch als einer der wenigen Kenner dieses Rechtsgebiets vielgefragt, vor allem als Autor in den zentralen Nachschlagewerken zur mittelalterlichen europäischen Rechtsgeschichte.

Nach seiner Habilitation im geltenden Recht 1970 wurde Strauch 1974 zunächst als außerordentlicher Professor ernannt. Von 1980 war er schließlich bis zu seiner Emeritierung 1999 ordentlicher Professor für Bürgerliches Recht, Deutsche und Nordische Rechtsgeschichte an unserer Fakultät. Danach leitete er bis zu dessen Schließung im Jahr 2003 das Seminar für Deutsches Recht. In dieser Zeit baute er ein drittes Interessengebiet aus, das Rheinische Recht. Das Spektrum war auch hier denkbar weit. Es reichte vom Rheinschifffahrtsrecht, über das Rheinische Recht im BGB, die Kölner Universitätsgeschichte, das Rheinische Notariat, die einzelnen territorialen Studien bis zu einer vielbeachteten Untersuchung zu August Reichensperger als Rechtspolitiker. Besondere Beachtung fanden seine – Jubiläen Kölner Gerichte aufnehmenden – Studien zur Kölner Justizgeschichte und seine Abhandlung zum Großen Schied, mit denen sich Strauch als zentraler Autor der rechtshistorischen Erinnerungskultur der Stadt Köln etablierte. Auch hier entstand mit der großen Monografie zu Rheinischen Gerichten in zwei Jahrhunderten eine Synthese, die heute zu den Grundlagentexten der Rheinischen Rechtsgeschichte zählt. Hinzu kamen schließlich Abhandlungen zum geltenden Recht, Dogmenhistorisches, Handelsrechtsgeschichte, Deutsche Mediävistik, aber auch Spezialthemen, wie seine große Monografie zum Archivalieneigentum. Ein ganz ungewöhnlich breites Oeuvre, das zuletzt 16 Bücher und 152 Abhandlungen zählte.

Dieser breite rechtshistorische Blick machte ihn, nach dem Weggang von Hans-Jürgen Becker aus Köln, im Jahr 1988, zu einem hervorragend geeigneten Vorsitzenden des 1983 gegründeten Rheinischen Vereins für Rechtsgeschichte e.V. Es gelang ihm, neben drei jährlichen Vortragsveranstaltungen, vor allem durch die bald legendären jährlichen Exkursionen zu rechtshistorisch interessanten Orten, die er stets akribisch vorbereitete, den Verein zu einer festen Institution in Köln zu machen. 1998 und 2013 ehrte ihn der Verein daher mit der Herausgabe einer Auswahl seiner rechtshistorischen Schriften und machte ihn 2014 zum Ehrenvorsitzenden.

Dieter Strauch blieb der Kölner Rechtswissenschaftlichen Fakultät über sechs Jahrzehnte verbunden. Er war bis wenige Jahre vor seinem Tod geradezu unermüdlich tätig und hochproduktiv. Wenn andere einen Aufsatz schrieben, schrieb er ein Buch. Er war ständiger Gast im Institut und an den Aktivitäten des Instituts regelmäßig beteiligt. Wir erinnern uns an ihn als einen warmherzigen, immer zugewandten und dem Institut und der Rechtsgeschichte engagiert verpflichteten Kollegen, dessen Andenken wir stets ehren werden.   

Hans-Peter Haferkamp

 

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Veröffentlichungen

Liste der Veröffentlichungen als PDF-Datei (Stand: Februar 2024).